Fuciner See

Der Fuciner See galt als das größte Binnengewässer Mittelitaliens. Er erstreckte sich auf einer Meereshöhe von 662 Metern im Hochland der Abruzzen zwischen dem Monti Simbruini und dem Monte Sivente. Seine Ausdehnung betrug 155 Quadratkilometer.

Das von den Gebirgsmassiven der Abruzzen umschlossene Gewässer besaß keinen natürlichen Abfluss und die Umgebung des Sees war durch Überschwemmungen bedroht. Am Ufer des Sees befand sich Marruvium, das Zentrum des antiken Volkes der Marser. Der Fuciner See erlebte seine Blüte während der römischen Kaiserzeit. Gemüse, Wein und die Fische des Sees waren in den Küchen Roms sehr begehrt.

Pläne für eine Trockenlegung des Fuciner Sees existierten schon zu Zeiten Caesars. Moskitos und Überschwemmungen erschwerten das Leben an seinen Ufern und man war bestrebt, Ackerland zu gewinnen. Unter Claudius nahm der Plan Gestalt an. 30 000 Männer gruben sich 11 Jahre lang durch den Kalkstein und errichteten einen fast 5 Kilometer langen Tunnel. 52 n.Chr. wurde der Kanal mit der größten und blutigsten inszenierten Seeschlacht der Geschichte eingeweiht. 40000 totgeweihte Sklaven auf 100 Schiffen lieferten sich erbitterte Kämpfe. Die Einweihung brachte eine böse Überraschung, der Tunnel war nicht einmal tief genug, um den See zur Hälfte abfließen zu lassen. Eine herbe Niederlage für Claudius. Auch seine Nachfolger Trajan, Hadrian und Friedrich II. scheiterten an der Lösung des Problems. Erst dem cleveren Schweizer Ingenieur Franz Mayor de Montrichter gelang mit einem weiteren Kanalbau 1875 die entgültige Trockenlegung.

Heute gilt die Fuciner Ebene als eine der fruchtbarsten Regionen Italiens. Felder und Wiesen kennzeichnen das Bild im Quellgebiet des Flusses Garigliano.